Lieblingsflecken
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Europa

Erinnerungen an Sonnentage in Port de Sóller

By 24. April 2016 Europa, Mallorca, Popular Posts, Unterwegs
Port de Sóller - Ca'n Poma

Draussen fällt der Regen, gemischt mit weißen Hagelstippen. Meine Gedanken schweifen ab, zurück auf die Insel der Deutschen, zweieinhalb Flugstunden entfernt von Frankfurt. Den Regen sehe ich nicht mehr, ich sehe die orangeroten Bergspitzen des Tramuntanagebirges im Sonnenuntergang. „Im Sommer glühen sie tiefrot“, höre ich meine Freundin sagen. Sie wohnt in Port de Sóller, seit zwölf Jahren darf sie jeden Abend auf Berge schauen, während die Sonne irgendwo im Westen im Meer versinkt. Jeden Morgen, wenn die Sonne zaghaft in ihr Schlafzimmer blinzelt, steht sie auf und tritt als erstes hinaus auf den Balkon. Von dort schaut sie auf die Bucht von Port de Sóller, auf das blau schimmernde Meer und die gegenüberliegenden weissen Häuser, die sich dort brav aneinander reihen. So früh morgens fährt noch keine Bimmelbahn, nur ein paar Hundebesitzer führen unten auf der Promenade ihre Vierbeiner aus. Wenn das Meer wärmer wird, sieht sie die Schwimmer ihre Bahnen ziehen. Manchmal mischt sie sich selbst unter sie, wenn der Tag sehr heiß zu werden und die Abkühlung am Morgen das Schönste vom Tag zu werden verspricht.

Ein halber ganzer Tag in Port de Sóller

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Liebesbrief an Mallorca

By 14. April 2016 Europa, Mallorca, Popular Posts, Unterwegs
Liebesbrief an Mallorca - Lieblingsflecken

Es ist schon ziemlich lange her, dass ich so richtig verliebt war. Ich erinnere mich aber noch genau daran, wie es ist, wenn der Hunger plötzlich verschwunden ist, ständige Unruhe im Körper herrscht, die Konzentration immer wieder abschweift und dieses Gefühl von „sich verzehren nach“ chronisch wird. Jede Zelle voller Energie, angezogen wie von einem Magneten. Der Kopf ist leer und gleichzeitig voll von Erinnerungen an Bilder, Worte, Sätze und Geräusche, Empfindungen. Teenagerliebe von den Ärzten fällt mir dazu ein, Phrasen von Liedern, die damals gerade rauf und runter liefen und mich für immer mit dieser Zeit und all den Gefühlen verbinden.

Voll von Bildern, die ich nicht vergessen kann.

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Kurioses Finnland? Das sagt eine echte waschechte Finnin.

By 30. Oktober 2015 Europa, Finnland, Popular Posts, Unterwegs
Finnland

Cool, cooler, Ritva!

Ritva ist die Freundin meiner finnlandbegeisterten Freundin und wohl das, was man unter einer echten Finnin versteht. Vermutlich hat Ritva ihren Beitrag dazu geleistet. Ritva ist inzwischen in Rente und hat zuvor ihr ganzes Leben für das finnische Fremdenverkehrsamt gearbeitet. Ein paar Journalisten oder Blogger durch Helsinki zu führen, das gehörte für sie jahrzehntelang in die Rubrik „business as usual“. Freunde und Freunde von Freunden zeigt sie noch immer gern „ihr Helsinki“. Ich habe also Glück.

Pünktlich um 9:00 Uhr an einem Dienstagmorgen im Oktober betritt sie die Lobby des Hotel Indigo Boulevard. Sie trägt ihr hellbraunes Haar kinnlang und ihre orange Steppjacke leuchtet mir entgegen. Jeans und Turnschuhen weisen auf einen längeren Ausflug hin und obwohl wir uns noch nicht begegnet sind, steuert sie zielstrebig auf mich. Durch ihre Brille blickt sie mir durch freundliche Augen neugierig entgegen.

Sollte Ritva stellvertretend für „die finnische Frau an sich“ stehen, so erlebe ich die Frauen dieser Nation als resolut und geradlinig. Ritva jedenfalls nutzt eine erfrischend direkte Sprache und packt die Dinge ohne zu zögern an. Wenig später befinden wir uns auf unserem Gang durch Helsinki, auf dem ich nicht nur viel über die Stadt sondern auch über die Finnen an sich lerne.

Hier geht es zum ausführlichen Bericht „24 Stunden in Helsinki“ – mit vielen Fotos!  

Winter

Obwohl Finnland nur etwas mehr als zwei Flugstunden von Deutschland entfernt liegt, scheint es mir bei näherer Betrachtung doch sehr anders zu zu gehen in dem Land, in dem die Sonne im Winter um 10:30 Uhr auf und bereits um 15:30 Uhr wieder unter geht. In dem sich im Winter alle Finnen mit möglichst vielen Tätigkeiten von der ewigen Dunkelheit ablenken und neue Sprachen oder Tanzen oder Basteln lernen, Theatergruppen beitreten oder in irgendwelchen Vereinen aktiv werden. Im Sommer dann tummeln sie sich am liebsten draussen und Ritva beschreibt die gesamte Nation in den Monaten mit den unendlich langen Sonnentagen als völlig verändert.

Sommer

Finnland

@Sara Winter

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Links und Tipps für Helsinki

By 28. Oktober 2015 Europa, Finnland, Popular Posts, Unterwegs
Finnland

Lust auf Finnland? Hier findest Du Links und Tipps für Helsinki und Finnland von Anreise über Wohnen, Site-Seeing in Helsinki und Reisen durch Finnland.

Viel Spaß!

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24 Stunden Helsinki: das musst Du machen!

By 28. Oktober 2015 Europa, Finnland, Popular Posts, Unterwegs
Helsinki, Finnland

Ich habe Helsinki mit 16.345 Schritten erkundet. Das weiß ich ganz genau, denn meine Stadtführerin Ritva hält ihre tägliche Schrittanzahl genau nach. Jeden Tag will sie mindestens 10.000 Stück zurück legen. Das Ziel haben wir heute bereits an einem Vormittag glorreich überschritten.

Komm mit auf einen Spaziergang durch Helsinki!

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Wie das Land, so die Finnen

By 22. Oktober 2015 Europa, Finnland, Popular Posts, Unterwegs

Die Finnen seien ein so nettes Volk, bekundet strahlend meine leidenschaftlich für Finnland schwärmende Freundin vor meiner Abreise. Entspannt seien sie, auf Design und Mode bedacht und dabei gänzlich bodenständig.

Ich denke an ihre Worte, als ich zuerst auf Paula und wenig später auf Ville Iho treffe, der COO bei Finnair ist. Paula Helle ist Communications Manager bei dem  finnischen National Carrier und wird uns durch den Tag begleiten. Sie stellt sich uns schlicht als Paula vor, so, als sei das das Normalste von der Welt. Ist es in Finnland auch, wie ich erfreut feststelle. Read More

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Finnair macht’s möglich: im neuen A350 auf nach Finnland!

By 21. Oktober 2015 Europa, Finnland, Unterwegs
Finnair A350 Finnland

Noch stehe ich zusammen mit vielen anderen Journalisten auf dem Frankfurter Flughafen und warte auf die Ankunft des ersten A350. Auf der Rolltreppe stürzt eine junge Frau mitsamt einem imposanten Stativ an mir vorbei und erklärt, dass sie keinesfalls die Ankunft des neuen Fliegers verpassen wolle. Mir war bis dato nicht bewusst, dass ein neues Flugzeug Menschen in derartiges Verzücken versetzen kann und ich schäme mich beinah ein wenig, dass ich mich bisher so wenig dafür interessiert habe. Die allgemeine Begeisterung hat etwas von Aufbruchstimmung und geht nahtlos auf mich über. Ich will ihn jetzt auch sehen, den neuen Stern am Flugzeughimmel!

Finnair hat, so erfahre ich von Jan Pellinen, dem Vertriebsdirektor für Zentraleuropa, insgesamt 19 Modelle des neuen Airbus A350 XWB im französischen Toulouse geordert. Damit ist die Finnair die erste europäische und neben Qatar Airways und Vietnam Airlines weltweit die dritte Fluglinie mit dem neuen Airbus in der Flotte. „XWB“ steht übrigens für „extra wide body“. Der breite Rumpf des A350 hält mehr Platz für größere Sitze bereit und bietet entsprechend mehr Komfort. Es gibt insgesamt 297 Plätze, davon 46 in der Business Class, 43 in der Economy Comfort and 208 in der Economy Class.

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Umweltfreundlich unterwegs

Durch die neue Bauart soll der A350 besonders umweltschonend unterwegs sein und 25 Prozent weniger Treibstoff verbrauchen. Dank neuer, von Rolls Royce entwickelten Motoren fliegt er leise, die Fluggeräusche sowohl außen als auch im Kabineninneren fallen vergleichsweise dezent aus, Der breite Flugzeugrumpf des A350 bietet mehr Platz für breitere Sitze und damit auch mehr Komfort für die Fluggäste.

Ein neuartiges Luftfiltersystem sorgt für eine angenehme Luft: alle zwei bis drei Minuten wird sie ausgetauscht. Dem steifen Nacken soll eine zugluftfreie Klimaanlage vorbeugen und verstellbare Temperaturzonen sowie ein niedrigerer Kabinendruck sollen das Wohlbefinden zusätzlich steigern.

Nur ein einziges Mal: im A350 von Frankfurt nach Helsinki

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Finnland, Helsinki, der A350 und ich

By 17. Oktober 2015 Europa, Finnland, Popular Posts, Unterwegs
Helsinki, Finland

Bisher waren Flugzeuge für mich reine Transportmaschinen. Ich fliege, um von A nach B zu kommen und bin froh, wenn ich wieder festen Boden unter den Füssen spüre. Die Faszination Flugzeug hat mich nie wirklich erreicht und ich kann bis heute nicht nachvollziehen, warum sich Menschen am Frankfurter Flughafen positionieren und den landenden und startenden Maschinen zuschauen.

Finnair macht’s möglich: ich flieg nach Helsinki!

Meine erste Reise nach Finnland habe ich ausgerechnet einem Flugzeug zu verdanken. Grund genug, mich ein wenig näher mit der Materie zu beschäftigen. Am 19. Oktober hebt der neue Airbus 350 XWB der Finnair zum ersten Mal in Frankfurt ab und normalerweise hätte mich das ziemlich kalt gelassen. Jetzt nicht mehr, denn ich werde drin sitzen, in dem nagelneuen  Flieger, für den die Airline mit dem vielversprechenden Slogan „Fliegen Sie in ein neues Zeitalter“ wirbt. Neues Zeitalter hin oder her, ich weiß nur eins: Helsinki, ich komme!

Ein fliegendes Chamäleon

Vorher will ich wissen: was hat es auf sich mit diesem neuen Flugzeug? Was ist das Besondere daran? In einem kurzweiligen Film über das „Making of“ des, wie es heißt „umweltfreundlichen und geräumigen A350 mit beruhigender Atmosphäre“, sehe ich stolze Mitarbeiter der Finnair mit verklärtem Blick von der Zukunft der Luftfahrt schwärmen. Diese Zukunft soll sich in dem neuen A350 manifestieren. Sein Interieur wurde eigens von einem finnischen Design Label entworfen. Bis dato wusste ich noch nicht einmal, dass es auch für Flugzeuginnenräume Designer gibt, obwohl es mir im Nachhinein sehr logisch erscheint. Wohlfühlen also in einem Flugzeug. Ob das geht? Read More

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Lieblingsflecken in Barcelona – für Faule

By 4. August 2015 Europa, Popular Posts
Barcelona für Faule auf den Lieblingsflecken

Lieblingsflecken in Barcelona – auch für Faule! 

Seien wir ehrlich: im Sommer macht es wenig Laune, sich per piedes durch die Hitze einer Großstadt zu schleppen. Ich jedenfalls kann mir Schöneres vorstellen, zum Beispiel, an einem feinen Sandstrand am Meer zu liegen und hinaus auf das Wasser zu blinzeln. Wie das gehen soll? Ganz einfach, die richtige Stadt und das richtige Programm auswählen.

Ich habe den Test gemacht, frei nach dem Motto, dass auch Rom nicht an einem Tag erbaut wurde. Ich habe der Mega-Stadt Barcelona einen sehr entspannten Besuch abgestattet, einen Lieblingsfleck entdeckt und mich dem südländischen Flair hingegeben.

Die Hauptstadt von Katalonien zählt 1,6 Millionen Einwohner, die sich auf eine Fläche von 101 Quadratkilometern verteilen. Barcelona hat das, wovon andere Großstädte wie Madrid, Mailand oder Paris nur träumen können: sie hat das Meer und damit ein für mich unschlagbares Besuchsargument. Noch dazu wird sie von 275 Tagen im Jahr von der Sonne verwöhnt und liegt gerade einmal 2,15 Flugstunden von Frankfurt am Main entfernt. Mehr Gründe, um ein Wochenende dort zu verbringen, brauche ich nicht.

El Poblenou – ein Dorf am Meer in der Millionenstadt

Im Vorfeld habe ich mir über venere.com ein Appartment in dem Viertel „El Poblenou“, katalanisch für „Neues Dorf“, im Bezirk Sant Martin gebucht.

Barcelona El Poble Nou auf den Lieblingsflecken

Hier gibt’s Eis! Ramblas im El Poble Nou

 

Damals kamen die ersten Immigranten aus Andalusien hierher, der Stil des Örtchens ist entsprechend andalusisch geprägt. Mit seinen engen Gassen und seinem ruhigen Lebensrhythmus mutet es wie eine kleine Insel an. Bäume säumen die Straßen und die zum Teil windschiefen Häuser reihen sich pittoresk aneinander. Ein Großteil der Gassen gehört allein den Fußgängern. Die größte Straße des Viertels heißt pragmatisch „Rambla del Poblenou“. Wie die große Ramblas-Schwester im Herzen Barcelonas führt sie direkt zum Meer hinunter, vorbei an Straßencafès und Krämerläden, bodenständigen Boutiquen und winzigen Supermärkten und einem dörflich anmutenden Marktplatz. Auf den Bürgersteigen sitzen alte und junge Leute, sie trinken Kaffee aus kleinen Tassen, schwatzen und schauen in der Gegend herum. Wochenende in El Poblenou, dem Mikrokosmos im großen Wirrwarr der Millionenstadt, die hier ganz weit weg zu sein scheint. Und doch, sie ist das, denn die Metrostation Placa Catalunya im Zentrum Barcelonas, liegt ganze 5 Haltestellen entfernt. Read More

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Alles Käse in Cannobio oder: Vorsicht vor den Aprikosen!

By 7. Juni 2015 Europa, Popular Posts
Cannobio, Lago Maggiore

Giovanni hatte mich gefragt. Und ich hatte aus vollster Überzeugung ja gesagt. Sein Obststand am Straßenrand von Cannobio in Richtung Schweiz rettete uns einen Teil des Abendessens. Zusammen mit Ivo. Aber eins nach dem anderen.

Die Schweizer Seite des Lago Maggiore ist ohne Zweifel pittoresk. Ascona, Locarno, Brissago, alles schön, alles gut. Teuer halt, aber das war schon immer so in der Schweiz. Das beruhigende am Tessin ist, dass das Piemont im Westen und die Lombardei im Osten direkt an den von den Städtern aus Zürich & Co. als hinterwäldlerisch bezeichneten Teil des Bergenlandes angrenzt. Italien ist immer nur einen Steinwurf entfernt, man kann es immer sehen und sozusagen spüren. Schließlich sprechen die Schweizer im Tessin so gut wie ausschließlich italienisch, es fühlt sich, wären da nicht die mit Schweizer Franken angegebenen Preise, schon an wie Italien.

Cannobio, Lago Maggiore

Cannobio, Lago Maggiore

Mein Herz gehört denn auch dem angrenzenden Land. Kaum in Brissago über die Grenze gefahren, atme ich tief durch und mein Herz tut einen Freudenhüpfer: ich bin in Italien! Alles scheint sofort anders, auch wenn das faktisch natürlich Blödsinn ist. Es ist das Gefühl, il sentimento! Ich fühle Italien, das dolce vita, die klangvolle Sprache, das gute Essen, natürlich, die Sonne  und die Blumen, die bunten Märkte, ich sehe die elegant und immer gut gekleideten Menschen und ich schnuppere die nach Süden duftende Luft. Ich liebe es, wenn die Italienerinnen sich und ihre Familien fein machen für das frühabendliche Herumspazieren auf der Piazza, um wohlduftend  noch ein gelato vor dem Abendessen zu schlecken. Certo!

In Cannobio, dem ersten Städtchen auf der italienischen Seite nach Brissago, beginnt es, das italienische Leben. Plötzlich ticken die Uhren anders, die Häuser sehen italienisch aus, die Sonne scheint wärmer und der Himmel ist blauer. Gefühlt. Faktisch werden die Straßen durch Cannobio zu kleinen, schmalen mit Kopfstein gepflasterten Gässchen, eingerahmt von Hausfassaden und Mini-Balkonen, auf denen Pflanzen und Blumen sprießen, als wäre das selbstverständlich. In der Mitte des oberen Ortes ragt der Kirchturm der für den kleinen Ort irgendwie zu groß geratenen steinernen Kirche empor. Oben im Turm sind mehrere Glocken in diversen Größen zu erkennen und gleich taucht das Bild von einem Gottesdiener vor meinem inneren Auge auf, der jeweils zur halben und ganzen Stunde per Hand das Glockengeläut erklingen lässt. Wahrscheinlich entspricht das nicht den Tatsachen, doch das ist ja auch nebensächlich. Die Touristen lieben Cannobio, und so befindet sich am Ortseingang denn auch ein ausgewachsener Campingplätzen und zahlreiche Schilder weisen im Ort auf die „Albergi“ und Ristoranti hin, die es in Cannobio neben Kopfsteinpflaster, Schuhgeschäften, Bäckereien mit zumeist hellem Brot und Köstlichkeiten aus Mandeln, Nougat und Sahne im Angebot und Gelaterias, natürlich, zu finden gibt. Ein eisiger Wind bläst von oben aus den Bergen durch die schmalen Gassen, trotz der wärmenden Sonnenstrahlen hülle ich mich unwillkürlich tiefer in meine Jeansjacke und klappe den Kragen hoch. So ganz ist der Sommer noch nicht angekommen an diesem Maitag in Cannobio.

Cannobio, Lago Maggiore

Cannobio, Lago Maggiore

Dafür spricht auch, dass die Temperatur des an seiner tiefsten Stelle 372 Meter tiefen Lago Maggiore derzeit circa 13 Grad Celsius beträgt. Es hat zuviel geregnet, keine Sonne, keine warmen Wassertemperaturen, logisch. Mein Vorhaben, im Lago baden zu gehen, verwerfe ich bedauernd. Wäre es draussen richtig schön heiss, ja dann wäre das etwas anderes. So eben nicht.

Cannobio, Lago Maggiore

Cannobio, Lago Maggiore

An Cannobio werde ich mich nicht nur wegen seiner hübschen Promenade und den dortigen Restaurants, die, mit Verlaub, zwar sehr hübsch ausschauen mit ihren breiten Markisen und den einladend eingedeckten Tischen, qualitativ jedoch eher hinten herunter fallen. An Cannobio werde ich mich wegen Ivo erinnern. Nein, ich habe mich nicht verliebt in einen rassigen Italiener mit dunkelgelockten Haaren und feurigen Augen. Ich habe Käse gekauft, und zwar bei Ivo, dessen Gesichtsfarbe und vermutlich auch der Rest seines Körpers in etwa ebenso bleich ausfiel wie der Käse, den er in einer imposanten Käsetheke deponiert hatte. Eigentlich wollten wir auf dem sonntäglichen Markt in Cannobio, dafür ist der Ort vor allem bei den Touristen bekannt, für unser Abendessen sorgen. Aufgrund des Andrangs beschlossen wir, von einem Besuch abzusehen und statt dessen den heimischen Geschäften einen Besuch abzustatten. Die Auswahl war aufgrund unserer zeitlichen Planung bereits begrenzt: in Italien, zumindest in so winzigen Dörfern wie hier in Cannobio, ist es ja überhaupt schon einmal bemerkenswert, dass Läden am heiligen Sonntag öffnen und umso verständlicher, dass sie pünktlich schließen, nämlich um 12:30 Uhr und keine Sekunde später.

Cannobio, Lago Maggiore

Cannobio, Lago Maggiore

In der Pasticceria ergatterten wir eines der letzten Brote und rannten dann im Laufschritt zum bleichen Ivo. Seinen Laden hatten wir bereits am Tag zuvor bemerkt, denn er liegt direkt an der kleinen Straße, die Cannobio in obere und untere Stadt unterteilt und die jeder passiert, der den Ort mit dem Auto durchquert.

La Tana del Gusto, Cannobio, Lago Maggiore

Ivo in seinem Laden „La Tana del Gusto“ in Cannobio

An einer Ecke befand sich Ivos Geschäft, das so aussieht, als befände es sich hier schon länger, länger als Ivo auf der Welt ist, eigentlich immer schon. Es gehörte zu den Läden, die selten werden in unserer heutigen Zeit. Hinter der kleinen Eingangstür erstreckte sich rechts eine imposante Wursttheke und links, zu erreichen über einen schmalen, gefliesten Gang, an dessen Seite rechts eine altertümliche Kasse auf einem Tresen stand, blickte man direkt auf eine ebenso imposante wenn auch kleinere Käsevitrine. Sie war zum bersten voll mit Käse, weißem und gelbem und rotem und braunen.

Ivo, so erzählte er uns auf italienisch, sei ganz original aus Cannobio. Hier geboren, hier lebend. Neben Käse verkaufte er Wurstwaren von allen erdenklichen Schinken- und Salamisorten über Bressaola bis hin zu Wildschwein- und Rindswürsten, die fein dekoriert in der Wursttheke thronten. Seine simple Frage lautete: „Con carattere?“, was wir als eher kräftig im Geschmack übersetzen, und dann mussten wir probieren, von allem. Wir kauten und schmeckten, versuchten, unsere Empfindungen auf italienisch wiederzugeben, doch im Nachhinein glaube ich, dass das völlig unnötig war, denn Ivo konnte in unseren Gesichtern lesen, ob wir glücklich waren mit dem Geschmack oder nicht.

La Tana del Gusto, Cannobio, Lago Maggiore

Ivo’s La Tana del Gusto, Cannobio

Wir erstanden Schinken und Bressaola, alten Peccorinokäse, der so hart war, dass er vom Messer sprang und Ziegenkäse und Kuhkäse, die alle beide ebenfalls älteren Kalibers zu sein schienen und charakterlich definitiv ihre Eigenheiten besaßen. Der weißgesichtige Ivo bemerkte in gebrochenem Deutsch: „Zuerst Sie probiere die Käse – dann ich probiere Sie!“ Äh, ok. Wir lachten und keiner von uns wollte sich so recht vorstellen, von Ivo probiert zu werden. Amüsiert über seine charmante Annäherung und einmal bestätigt in dem Klischee, dass Italiener eben flirten müssen,  wünschten wir ihm einen schönen Sonntag. Wir verließen den Laden, kurz bevor Ivo seine Vitrinen zudeckte und den Laden abschloss. Chiuso, finito.

Cannobio, Lago Maggiore

Cannobio, Lago Maggiore

Es war zu spät. Zu spät, um noch irgendwo Gemüse oder Salat zu erstehen. Cannobio fiel, außer auf dem trubeligen Markt, der um 13 Uhr schließen sollte, in den sonntäglichen Siestaschlaf. Auf dem Rückweg Richtung Schweiz passierten wir einen kleinen Gemüse- und Obststand, der auf Schiefertafeln sein Angebot anpries. Wir hielten und kauften Tomaten und grüne Bohnen, die, wie wir von einer ansonsten recht wortkargen Italienerin erfuhren, hier im Norden Italiens fagiolini genannt werden. Der Standinhaber Giovanni, ein bulliger Typ mit Stiernacken, rief der wortkargen Italienerin die Preise zu und als ich schließlich auf ein gelborganges Obst zeigte, das auf mich wie eine Aprikosenart wirkte, kam er zu mir und fragte, ob ich wüsste, was das wäre. Klar, sagte ich. Und glaubte es ja auch.

Am Abend saßen wir auf der Terrasse in Brissago mit Blick auf den Lago, kosteten unsere kulinarischen Schätze und sprachen über Ivo, den Bleichgesichtigen und Giovanni, der ganz sicher noch nie in seinem Leben ein Verkaufsseminar besucht hatte und es trotzdem zu einem Top-Verkäufer gebracht hatte. Wenn auch am Straßenrand von Cannobio. Dafür mit Blick auf den Lago Maggiore, jeden Tag.

Cannobio, Lago Maggiore

Cannobio, Lago Maggiore

Ach ja, die Früchte! Ich weiß es nun, nach wirklich langer Recherche muss es das sein, was wir in Hessen gerne in Calvados ertränken. Geschält schmeckt es auch ohne Calvados lecker. Any idea? MISPELCHEN! 🙂

 

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